Verstopfung lösen: Ursachen und Linderung

Verstopfung ist in den hochzivilisierten Ländern ein Massenphänomen, welches zu großen Teilen auf unsere Lebensführung zurückzuführen ist: Wir nehmen primär hochkalorische und ballaststoffarm Lebensmittel zu uns, erledigen einen Großteil unserer alltäglichen Tätigkeiten im Sitzen, bewegen uns dementsprechend nicht genügend und trinken häufig zu wenig Wasser.

Wenn deine Verdauung dann mal nicht so will wie du, kann das ganz schön unangenehm werden. Doch ist es auch gleich gesundheitsgefährdend, wenn der Stuhlgang mal ein paar Tage ausbleibt? Die Antwort auf diese Frage und verschiedene Möglichkeiten, um eine Verstopfung zu lösen, findest du im folgenden Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verstopfung (Obstipation) ist eine in Europa weit verbreitete Verdauungsstörung und geht häufig mit Begleitsymptomen wie Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen einher.
  • Bleibt der Stuhlgang mal mehr als 3 volle Tage aus, spricht man von einer akuten Verstopfung. Bei weniger als 3 Stuhlgängen pro Woche seit mindestens 3 Monaten, leidet der Betroffene an einer chronischen Verstopfung.
  • Um eine Verstopfung zu lösen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: eine ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung und Flüssigkeit, Bauchmassagen, einige Hausmittel oder Laxanzien können helfen.

Hintergründe: Was du über Verstopfung wissen solltest

Der folgende Ratgeber liefert dir Hintergrundwissen zu der Thematik Verstopfung. So kannst du herausfinden, ob es für dich bereits an der Zeit ist, einen Arzt aufzusuchen oder wie du es schaffen kannst, die Verstopfung auf eigene Faust zu lösen.

Ab wann spricht man von Verstopfung?

Verstopfung – im Fachjargon Obstipation genannt – ist weit verbreitet. In Europa leiden etwa 15% der Allgemeinbevölkerung regelmäßig unter der unangenehmen Verdauungsstörung, die meist mit Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen einhergeht (1).

Allein in Deutschland sind diese Beschwerden bei etwa einer Millionen Menschen jährlich der Grund für einen Arztbesuch – und das, obwohl diese Angabe davon ausgeht, dass nur jeder zehnte Betroffene auch tatsächlich einen Arzt aufsucht. Zu diesen Betroffenen zählen vor allem ältere Menschen und Frauen. Bei Männern tritt Verstopfung vergleichsweise seltener auf (2, 3).

Aber ab wann gilt das Ausbleiben des Stuhls als nicht mehr normal und aus medizinischer Perspektive als Verstopfung und damit als behandlungsbedürftig? Die medizinischen Leitlinien definieren dies genau und unterscheiden dabei zwischen akuter und chronischer Obstipation. Welche Symptome mit welcher Häufigkeit und Dauer auftreten müssen, damit die jeweilige Diagnose zutrifft, zeigt dir die folgende Tabelle (1, 2, 4):

chronische Obstipationakute Obstipation
unbefriedigende Stuhlentleerung seit mind. 3 Monatenplötzliches Ausbleiben des Stuhlgangs für mehr als 3 Tage bei regulär unauffälligem Ablauf der Darmentleerung
zusätzlich mind. 2 der folgenden Symptome jeweils bei ≥ 25 % der Stuhlentleerungen:
  • weniger als 3 x Stuhlgang/ Woche
  • starkes Pressen
  • harter oder klumpiger Stuhl
  • subjektiv unvollständige Entleerung
  • subjektive Obstruktion (Blockade)
  • manuelle Manöver (bspw. Ausräumung mit dem Finger)
bei folgenden zusätzlichen Symptomen besteht die Gefahr eines Darmverschlusses und ein Arzt sollte umgehend aufgesucht werden:
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fieber
  • aufgeblähter Bauch
  • starke Bauchschmerzen

Die akute und die chronische Verstopfung unterscheiden sich also primär in der Dauer, mit welcher die Beschwerden anhalten. Bei einer chronischen Verstopfung hat der Betroffene schon seit mindestens 3 Monaten mit unbefriedigenden Toilettengängen zu kämpfen.

Eine akute Verstopfung hingegen tritt plötzlich auf und verschwindet in der Regel genauso plötzlich auch wieder. Gefährlich wird diese, wenn zusätzlich zum Ausbleiben des Stuhlgangs die Symptome Übelkeit, Erbrechen, Fieber, ein aufgeblähter Bauch und Bauchschmerzen in starker Ausprägung auftreten. Hier besteht die Gefahr eines Darmverschlusses und es muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Prinzipiell gilt jedoch: Auch wenn die meisten Menschen das Bedürfnis haben, sich täglich zu entleeren, ist das aus gesundheitlicher Perspektive gar nicht notwendig. Die Aktivität des Verdauungssystems ist von zahlreichen Faktoren abhängig, sodass es bezüglich der Häufigkeit der Darmentleerung starke inter- sowie intraindividuelle Unterschiede gibt. So ist es für manche Menschen oder in manchen Wochen völlig normal, dreimal am Tag die Toilette aufsuchen zu müssen, während es für andere oder in anderen Wochen nur dreimal die Woche nötig ist(5).

Ab wann wird Verstopfung gefährlich?

Viele Menschen leiden im Laufe ihres Lebens einmal unter Verstopfung. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine gelegentliche Verstopfung, die sich auch ohne ärztliche Hilfe bewältigen lässt. Erzielen ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung, eine hohe Flüssigkeitsaufnahme und Bauchmassagen jedoch nicht den gewünschten Effekt, ist ein Arztbesuch durchaus ratsam.

Nicht immer ist der Besuch beim Arzt direkt notwendig, sollte der Stuhlgang mal einige Tage ausbleiben. Alles zwischen dreimal am Tag und drei Stuhlgängen pro Woche gilt als normal. (Bildquelle: Polina Zimmerman/ pexels)

Besonders bei einer akut auftretenden Verstopfung in Kombination mit starken Bauchschmerzen, einem geblähten Bauch, Fieber, Übelkeit und Erbrechen ist Vorsicht geboten. Diese Symptomatik kann auf einen lebensgefährlichen Darmverschluss hinweisen, weswegen du umgehend einen Arzt aufsuchen solltest. Dasselbe gilt auch für Blut im Stuhl sowie starken Gewichtsverlust (5).

Auch bei andauernden beziehungsweise wiederkehrenden Beschwerden ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Das ständige starke Drücken zur Entleerung des Darms, welches bei einer chronischen Verstopfung notwendig wird, kann langfristig negative Folgen haben wie beispielsweise Hämorrhoiden.

Was sind die Ursachen für Verstopfung?

Verstopfung ist in den hochzivilisierten Ländern ein Massenphänomen, welches zu großen Teilen auf unsere Lebensführung zurückzuführen ist: Wir nehmen primär hochkalorische und ballaststoffarm Lebensmittel zu uns, erledigen einen Großteil unserer alltäglichen Tätigkeiten im Sitzen, bewegen uns dementsprechend nicht genügend und trinken häufig zu wenig Wasser.

Häufig liegen die Ursachen für Verstopfung in unserer Lebensführung.

Hinzukommt, dass wir unseren Defäkationsreflex auf der einen Seite zwar häufig unterdrücken – beispielsweise aus Ekel vor fremden Toiletten. Auf der anderen Seite aber die tägliche Darmentleerung für notwendig halten, wobei letzteres rein medizinisch betrachtet nicht korrekt ist.

Als Folge dieser falschen Einschätzung erzwingen viele Menschen den täglichen Stuhlgang mithilfe von Laxanzien, was zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten – insbesondere von Kalium – führt. Dieser Kaliummangel (Hypokaliämie) wiederum verstärkt die Darmträgheit auf lange Sicht sogar, sodass fortan immer häufiger Laxanzien zur Darmentleerung benötigt werden (6).

Die Ursachen für Verstopfung müssen jedoch nicht zwangsläufig in der Lebensführung verortet sein, sondern können auch ganz woanders liegen. Schlussendlich ist Verstopfung keine Krankheit, sondern ein Symptom – also ein Zeichen dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt. Dementsprechend können auch ernsthafte Krankheiten, die gegebenenfalls gar nichts mit dem Verdauungstrakt zu tun haben, der Auslöser für die Beschwerden sein.

Mithilfe der folgenden Liste kannst du dir einen groben Überblick über mögliche Ursachen für Verstopfung verschaffen (2):

  • Lebensführung: Zu wenig Ballaststoffe, zu wenig Flüssigkeit, zu wenig Bewegung, bewusstes Unterdrücken des Stuhldranges und voreilige Einnahme von Laxanzien sind Verhaltensweisen, die Verstopfung begünstigen können.
  • Hämorrhoiden oder Abszesse: Sie können Schmerzen bereiten und die Stuhlentleerung erschweren.
  • Reizdarm: Menschen mit Reizdarm leiden abwechselnd unter Verstopfung und Durchfall. Die Ursachen dafür sind bislang nicht bekannt.
  • Darmfunktionsstörungen: Funktionsstörungen des Dickdarms können den Stuhltransport verlangsamen, wodurch dieser sich bis zum Zeitpunkt der Ausscheidung stark verhärten kann.
  • Medikamente: Medikamente wie Eisenpräparate, Schmerzmittel, Antidepressiva, Blutdrucksenker und Anticholinergika können den Darm träge machen.
  • Erkrankungen des Nervensystems: In manchen Fällen ist eine Verstopfung durch Nervenstörungen bedingt wie z. B. durch Multiple Sklerose oder Parkinson.
  • Entzündliche Darmerkrankungen: Dazu zählen bspw. Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) oder Divertikulitis (entzündete Darmausstülpungen).
  • Darmkrebs/ Darmpolypen: Gutartige und bösartige Tumore können den Stuhltransport behindern.
  • Psychische Ursachen: Stress ist für viele Menschen die Ursache für Verdauungsstörungen jeglicher Art – so auch für Verstopfung.
  • Veränderungen im Hormonhaushalt: Diese können bspw. im Zuge einer Schwangerschaft, einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Diabetes oder einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperthyreoidismus) auftreten.

Besonders häufig von Verstopfung geplagt, sind schwangere Frauen. Grund hierfür ist der erhöhte Wert des Hormons Progesteron, welches für den Erhalt einer Schwangerschaft zwar unabdingbar ist, aber auch die Darmtätigkeit drosselt (7). Begünstigende Faktoren für die Darmträgheit während einer Schwangerschaft sind zudem die anwachsende Gebärmutter, welche den Darm einengt, geringere körperliche Aktivität sowie ungewöhnliche, kulinarische Gelüste.

Verstopfung lösen: Die besten Tipps & Tricks für eine aktivere Verdauung

Der folgende Abschnitt klärt dich über die verschiedenen Möglichkeiten auf, wie du deine Verdauung ankurbeln kannst. So findest du mit Sicherheit den richtigen Weg, deine Verstopfung zu lösen.

Verstopfung durch Umgewöhnung lösen

Die erste Stellschraube, an der du drehen solltest, leidest du regelmäßig unter Verstopfung, sind deine Gewohnheiten rund um den Gang zur Toilette. Zuallererst solltest du deinem Stuhldrang möglichst immer nachgeben, sobald er aufkommt.

Unterdrücke ihn nicht, nur weil das Timing gerade ungünstig ist und du eigentlich schnell noch etwas anderes erledigen wolltest. Entscheidest du dich dann für den Gang zur Toilette, solltest du dir hier genügend Zeit nehmen und dich nicht hetzen. Steht der Körper unter Stress, drosselt das nämlich die Darmtätigkeit.

Unterdrückst du deinen Stuhldrang häufig, kann das zu Verstopfung führen. Gib dem Drang also nach und lasse dir dann auf der Toilette genügend Zeit und Ruhe. (Bildquelle: Markus Spiske/ pexels)

Eine weitere Therapieoption bei chronischer Verstopfung, die Ärzte immer wieder empfehlen, ist den Körper an eine regelmäßige Darmentleerung zu gewöhnen. Setze dich hierzu jeden Tag – bevorzugt morgens nach dem Frühstück – für 10 Minuten auf die Toilette. Auch dann, wenn du eigentlich nicht das Gefühl hast, zu müssen. Im Idealfall gewöhnt sich dein Körper an dieses Zeitfenster und nutzt es zukünftig für die Darmentleerung (5).

Verstopfung mit Lebensmitteln lösen

Leidest du regelmäßig an Verstopfung, kann dies an deiner Ernährung liegen. Möchtest du deinem Darm etwas Gutes tun, dann setze vor allem auf ballaststoffreiche Nahrung – also viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.

Ergänzen solltest du diese Kost um gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder Buttermilch. Diese Lebensmittel sind reich an Probiotika – lebende Mikroorganismen, die eine gesunde Darmaktivität sowie das Immunsystem unterstützen (5).

Meiden solltest du hingegen stopfende und ballaststoffarme Kost wie jegliche Weißmehlprodukte. Mithilfe der folgenden Tabelle kannst du dir einen Überblick darüber verschaffen, welche Lebensmittel du in deinen Speiseplan einbauen und welche du besser weglassen solltest (8, 9):

VerdauungsförderndVerdauungshemmend
Vollkornprodukte (Vollkornreis, Vollkornbrot, Vollkorntoast, Vollkornnudeln …)Weißmehlprodukte (Kuchen, Kekse, Toast, Baguette, Nudeln, …)
Obst (Birnen, Pfirsiche, Rhabarber, Kirschen, Feigen)Bananen, Heidelbeeren
Dörrobst (Pflaumen, Feigen, Aprikosen)Schokolade, Kakao
Gemüse (Knollengemüse, Kartoffeln, Salat, Sauerkraut, Rote Beete)weißer Reis
Gesäuerte Milchprodukte (Joghurt, Kefir, Butter-, Sauermilch, …)Rotwein, Schwarz- und Grüntee

Unabhängig davon, welche Lebensmittel du zu dir nimmst, gilt immer: Iss in Ruhe und kaue gründlich – schließlich beginnt die Verdauung bereits im Mund.

Des Weiteren ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unabdingbar für eine gut funktionierende Verdauung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Trinkmenge von 1 ½ bis 2 Litern. Mehrere Studien konnten nachweisen, dass eine Verminderung der Trinkmenge unter die empfohlene Tagesmenge bei Gesunden die Stuhlfrequenz und -menge reduziert.

Bezüglich Menschen mit Obstipation fanden sie heraus, dass sich Verstopfungsprobleme durch die Normalisierung der Trinkmenge bessern können. Eine Steigerung der Trinkmenge über die empfohlene Menge hinaus hat jedoch keinen Effekt auf die Obstipation (1)

Ein weiteres Verhalten, dass du dir angewöhnen solltest, ist nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen ein Glas kaltes oder lauwarmes Wasser zu trinken. Bei vielen Menschen löst dies den Stuhlgangreflex aus. Bei Kaffeetrinkern kann das auch die morgendliche Tasse Kaffee sein.

Verstopfung mit Hausmitteln lösen

Mehrere Studien legen einen positiven Effekt natürlicher Ballaststoffe auf das Verdauungssystem im Allgemeinen und auf die Verstopfungssymptomatik im Speziellen nahe (10, 11, 12).

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. Oftmals erreichst du diesen Wert mit deiner alltäglichen Nahrungszufuhr jedoch nicht. Möchtest du sicher gehen, dass du die allgemein empfohlene Ballaststoffzufuhr erreichst, kannst du auch zu natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln wie Flohsamenschalen oder Leinsamen greifen.

Verstopfung lösen mit Flohsamenschalen

Hinter dem Namen Flohsamenschalen verbergen sich die Samenschalen der Wegerichgewächse Plantago indica und Plantago afra, welche in Pakistan und Indien angebaut werden. Diese enthalten sehr viele lösliche Ballaststoffe mit hohem Quellvermögen, welche die Verdauung schonend unterstützen. Im Falle einer Verstopfung quellen die Flohsamenschalen im Darm auf und regen somit die Darmaktivität an. Außerdem sorgen die enthaltenen Schleimstoffe für Gleitfähigkeit.

Die einfachste und effizienteste Methode, Flohsamenschalen einzunehmen, ist sie einfach in Flüssigkeit aufzulösen: Vermische hierzu 3x pro Tag 1 TL (ca. 5 g) Flohsamenschalen in mindestens 200 ml Flüssigkeit – Wasser oder Saft zum Beispiel. Trinke das Glas sofort, bevor die Flohsamenschalen zu stark quellen und eindicken. Danach solltest du noch 1 bis 2 weitere Gläser Flüssigkeit zu dir nehmen, damit die Schalen in deinem Magen-Darm-Trakt quellen und somit ihre Wirkung entfalten zu können.

Die Einnahme erfolgt täglich und je nach Bedarf über einen längeren Zeitraum. Besonders wichtig ist, dass du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtest, solange du Flohsamenschalen einnimmst. Trinke mindestens 1 ½ bis 2 Liter pro Tag.

Anderweitig kann es zu Beschwerden wie Verstopfung, Magenkrämpfen und Blähungen kommen – also genau zu denjenigen Symptomen, welchen du durch die Einnahme von Flohsamen entgegenwirken wolltest. Denn trinkst du zu wenig, steht den Samen nicht ausreichend Flüssigkeit zu Verfügung, um aufquellen zu können. Als Konsequenz entziehen sie dem Stuhl das restliche Wasser, wodurch dieser eine harte Konsistenz annimmt.

Verstopfung lösen mit Leinsamen

Leinsamen haben eine ähnliche Wirkung wie Flohsamen(-schalen). Auch sie steigern das Volumen des Darminhaltes, wodurch der harte Stuhl aufgelockert und geschmeidig gemacht wird. Dies erleichtert dir die Stuhlentleerung.

Die Tagesdosis für Erwachsene liegt bei 45 Gramm Leinsamen.

Um einen abführenden Effekt zu erzielen, nimm 2–3 x täglich zwischen den Mahlzeiten 1–2 EL (10–20 g) ganze oder leicht gequetschte Leinsamen mit 1 oder besser 2 Gläsern Wasser zu dir. Auch hier ist es unabdingbar, über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit zu dir zu nehmen.

Nebenwirkungen einer erhöhten Ballaststoffzufuhr

Bei einer korrekten Einnahme von Flohsamenschalen oder Leinsamen musst du nicht mit schwerwiegenden Nebenwirkungen rechnen. Dennoch kann es sein, dass sich dein Magen-Darm-Trakt nicht auf Anhieb mit der erhöhten Ballaststoffzufuhr verträgt. Das kann sich in Form von Blähungen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit o. ä. äußern (1).

Solltest du unter einem der genannten Symptome leiden, reduziere deine tägliche Dosis. Beginne erneut mit kleineren Mengen und taste dich langsam an die richtige Dosis heran. So kannst du herausfinden, welche Menge dir und deiner Verdauung guttut.

Verstopfung durch Bewegung lösen

Eine häufige Ursache für Verstopfung ist Bewegungsmangel – bedingt dadurch, dass wir heutzutage einen Großteil unserer Tätigkeiten im Sitzen erledigen. Für einen gesunden Körper und insbesondere für eine gut funktionierende Verdauung ist regelmäßige Bewegung jedoch mehr als wichtig.

Regelmäßige Bewegung regt die Stoffwechselprozesse in deinem Körper an und bringt somit auch deine Verdauung in Schwung. (Bildquelle: Burst/ pexels)

Welcher körperlichen Aktivität du genau nachgehst, ist dabei gar nicht so wichtig – Hauptsache, du tust es regelmäßig und insgesamt mindestens 30 Minuten am Tag. Es geht schlicht darum, die Stoffwechselprozesse in deinem Körper in Gang zu setzen. Ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause oder einer Runde Yoga am Abend wären da zum Beispiel schon ein guter Anfang.

Studien fanden heraus, dass körperliche Aktivität, die über das normale altersentsprechende Maß hinausgeht, keinen zusätzlichen therapeutischen Effekt auf Obstipation erzielt. Intensives Sporttreiben ist also gar nicht unbedingt nötig (1, 5).

Verstopfung durch Massagen und Wärme lösen

Zusätzlich zur Bewegung des gesamten Körpers kann es auch helfen, gezielt den Bauch zu massieren. Um den Darm zu stimulieren und die Verstopfung zu lösen, übe leichten Druck mit deinen Händen auf deine Bauchdecke aus. Starte dabei am rechten Unterbauch und ziehe anschließend kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn. Mit dieser Bewegung folgst du dem Verlauf des Dickdarms (9).

Danach kannst du dir ein Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf den Bauch legen. Das wirkt entspannend, schmerzstillend und durchblutungsfördernd, was bei einer Verstopfung wohltuend sein kann.

Verstopfung mit Medikamenten lösen

Bevor du zu medikamentösen Abführmitteln greifst, solltest du immer erst versuchen die Verstopfung auf natürliche Art und Weise zu lösen – mit Bewegung, Bauchmassagen sowie bestimmten Lebens- und Hausmitteln. Bringt jedoch keiner dieser Ansätze Besserung, können in letzter Instanz Laxanzien helfen.

Unter dem Begriff Laxanzien werden verschiedene Substanzgruppen zusammengefasst, die die Verweildauer des Stuhls im Darm verkürzen. Jede dieser Gruppen tut dies auf unterschiedliche Art und Weise. Unterschieden werden kann zwischen folgenden Wirkprinzipien (5, 13):

  • Osmotische Laxanzien: Sie binden Wasser im Darm, wodurch der Stuhl feucht und gleitfähig bleibt. Beispiele sind Laktulose, Glaubersalz (Natriumsulfat) sowie Bittersalz (Magnesiumsulfat), Glycerol und Macrogol.
  • Hydragoge Laxanzien: Sie hemmen die Wasser- und Elektrolytabsorption und stimulieren die Flüssigkeitsanreicherung im Darm. Dazu zählen Diphenolderivate wie Bisacodyl und Natriumpicosulfat und Anthrachinone wie bspw. Senna.
  • Prokinetika: Sie fördern die Darmbewegung (Darmmotilität), sodass die Speisereste schneller in Richtung After transportiert werden. Beispiele hierfür sind Tegaserod und Prucaloprid.
  • Lubrikanzien: Lubrikanzien, wie das Paraffinöl, wirken als Gleitmittel und haben eine milde laxierende Wirkung.

Die Form der Verabreichung der verschiedenen Laxanzien variiert. Viele werden in Form von Tabletten oder Tropfen geschluckt. Andere werden direkt über den After in den Darm verabreicht beispielsweise mithilfe eines Zäpfchens.

Bei der Einnahme von Laxanzien solltest du dich immer von deinem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Bei einem voreiligen Griff zu den Medikamenten oder falscher Dosierung können diese nämlich schnell kontraproduktiv wirken.

Es kann zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten – insbesondere von Kalium – kommen. Dieser Kaliummangel (Hypokaliämie) kann die natürliche Darmfunktion auf lange Sicht zusätzlich herunterfahren – was dem Gegenteil dessen entspräche, was du zu erreichen versuchtest (6).

Fazit

Die Frequenz der Stuhlentleerung kann von Mensch zu Mensch und von Woche zu Woche stark variieren. Alles zwischen dreimal am Tag und dreimal in der Woche gilt als normal. Bleibt dein Stuhlgang jedoch mehr als drei volle Tage aus, leidest du unter einer akuten Verstopfung.

Bevor du zu medikamentösen Abführmitteln greifst, solltest du immer erst versuchen die Verstopfung auf natürliche Art und Weise zu lösen. Hierzu solltest du dich ballaststoffreich ernähren, viel trinken und dich viel bewegen. Außerdem können Bauchmassagen sowie die Erhöhung der natürlichen Ballaststoffzufuhr durch Floh- oder Leinsamen helfen.

Literaturhinweise (13)

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8. Miligui, J. (2016). Ernährung bei chronischer Obstipation (Verstopfung).
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13. Müller-Lissner, S. (2013). Pharmakologische Behandlung der Obstipation. Der Internist, 54(4), 498–504. https://doi.org/10.1007/s00108-013-3245-4
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Wissenschaftliches Review
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