Ohrenrauschen: Ursachen und Behandlung

Du hörst ein Rauschen in deinen Ohren als wären es Wellen, doch du bist gar nicht am Strand? Diese Erfahrung hat sicherlich jeder mindestens einmal in seinem Leben gemacht. Dabei kommen schnell die Fragen auf, was es damit auf sich hat und wie man dieses Ohrenrauschen am besten behandelt.

Genau auf diese Thematik geht dieser Artikel ein und zeigt dir einen Überblick mit den wichtigsten Informationen. Hierfür klären wir dich sowohl über die Hintergründe des Ohrenrauschens als auch über die effektivsten Behandlungsmöglichkeiten auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohrenrauschen kann sehr viele Ursachen haben, welche sowohl physischer als auch psychischer Natur sein können.
  • Häufig hält das Ohrenrauschen nicht lange an und verschwindet schnell. Sollte dies jedoch nach 1-2 Tagen nicht passieren, ist ein Arztbesuch empfehlenswert.
  • Die Behandlung von Ohrenrauschen sollte sich an der Ursache orientieren und die Therapie dementsprechend darauf ausgerichtet werden.

Definition: Was ist Ohrenrauschen?

Ohrenrauschen oder auch das Pfeifen und Sausen im Ohr wird in der Medizin als Tinnitus bezeichnet. Hierbei handelt es sich um Geräusche, die von anderen Personen nicht wahrgenommen werden können. Bereits jeder vierte Mensch hat ein solches Phänomen in seinem Leben mindestens einmal wahrgenommen. Glücklicherweise verschwindet dieses jedoch häufig schnell wieder.(1)

Bei rund 3 Mio. deutschen Bundesbürger*innen, sprich 4% der Bundesrepublik Deutschland, tritt der Tinnitus jedoch akut oder chronisch auf.(2) Somit sind viele Menschen von dem Ohrenleiden betroffen. Dieses kann sich hierbei sowohl einseitig, jeweils im rechten oder linken Ohr sowie beidseitig äußern. Grundsätzlich ist das jedoch abhängig von der Ursache der Ohrgeräusche.

Hintergründe: Was du über das Rauschen in den Ohren wissen solltest

Damit du ein besseres Verständnis für das Rauschen in den Ohren bekommst, haben wir dir im Folgenden die wichtigsten Hintergrundinformationen zu diesem Thema zusammengefasst.

Was verursacht Ohrenrauschen?

Das Ohrenrauschen kann sehr viele Ursachen haben. Dabei reichen diese von körperlichen bis zu psychologischen Ursachen. Im Kontext mit dem Ohrenrauschen werden allerdings sehr häufig vier spezielle Auslöser genannt:

  • Ohrenrauschen durch Stress
  • Ohrenrauschen durch Bluthochdruck
  • Ohrenrauschen durch eine Erkältung
  • Ohrenrauschen durch die Halswirbelsäule

Diese genannten Ursachen werden wir dir nun expliziter erläutern. Somit kannst du dir einen Überblick darüber verschaffen, welche die häufigsten Auslöser von Ohrenrauschen sind.

Ohrenrauschen durch Stress

Viele Studien konnten bereits belegen, dass Stress mit Ohrgeräuschen zusammenhängt.(3) So bestätigen ca. 26% der Menschen, welche an chronischem Tinnitus leiden, dass sie sehr viel Stress haben bzw. hatten.

Stress kann beispielsweise zu Verspannungen im Kiefer sowie der Halswirbelsäule führen. Diese Verspannungen stimulieren demnach das Hörzentrum im Gehirn. Die daraus resultierende Folge ist das Ohrenrauschen.

Ohrenrauschen durch Bluthochdruck

Früher nahmen die Menschen an, dass Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck eine der häufigsten Ursachen für die Ohrgeräusche waren. Allerdings ist dies nicht ganz so einfach zu bestätigen. Vielmehr sollte ein Blick auf das Zusammenspiel von Stress, Bluthochdruck und Tinnitus geworfen werden.

Sobald ein Körper gestresst ist, wird das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet, welches die Blutgefäße verengt. Dies führt im Umkehrschluss zu Bluthochdruck. Eine Folge dessen ist schließlich, dass das Ohrenrauschen begünstigt wird und sich intensiver äußert.(4)

Ohrenrauschen durch eine Erkältung

Wer kennt das Gefühl nicht, bei einer Erkältung wie durch „Watte“ zu hören und ein Rauschen wahrzunehmen? Dies liegt an einem Sekretanstau in der Eustachi´schen Röhre, welche den Nasenrachen und das Mittelohr miteinander verbindet.

Sobald sich das Sekret anstaut, schwellen die Schleimhäute an und das Ohr scheint verstopft. Dies führt dazu, dass der Druckausgleich nicht mehr richtig funktioniert und es zu einem Ohrenrauschen kommt. Mit dem Verschwinden der Erkältung geht jedoch meist auch das Rauschen in den Ohren weg.

Ohrenrauschen durch die Halswirbelsäule

Eine weitere sehr häufige Ursache für das Wahrnehmen von Ohrgeräuschen ist eine Verletzung der Halswirbelsäule.(5) Eine solche kann für eine Vielzahl von Erkrankungen sowie Beschwerden verantwortlich sein.

Fehlhaltungen sind häufig die Ursache von Verspannungen der Halswirbelsäule, was sich ebenfalls negativ auf das Ohrenrauschen auswirkt. (Bildquelle: Meta Zahren / Unsplash)

Dabei sind besonders die Wirbelsegmente C2-C4 von großer Bedeutung. Bereits leichte Verletzungen oder Verspannungen können Ohrenrauschen hervorrufen. Doch auch Nasennebenhöhlenentzündungen, Schwindel und Sehstörungen können daraus resultieren.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Du solltest das Rauschen in den Ohren in jedem Fall ernst nehmen. Manchmal hilft es, sich etwas auszuruhen sowie zu entspannen. Allerdings lindert dies nur in einigen Situationen die Ohrgeräusche.

Wenn du jedoch ein ständiges Pfeifen, Summen oder Rauschen hörst und dieses nach ein bis zwei Tagen immer noch nicht verschwunden ist, solltest du einen Arzt aufsuchen. Hierzu kontaktierst du einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO), der dein Leiden untersuchen wird.

Wie wird Ohrenrauschen diagnostiziert?

Der HNO-Arzt wird zunächst eine eingehende Untersuchung der Nasen-, Hals und Ohrenpartie durchführen. Diese dient grundlegend dazu, mögliche Vorerkrankungen wie bspw. Ohrenentzündungen zu diagnostizieren, um solche als Ursache für die Ohrgeräusche auszuschließen.

Anschließend wird sowohl der Gleichgewichtssinn als auch das Gehör des/der Patienten/In überprüft. Außerdem können Röntgen- sowie Blutuntersuchungen weitere Anhaltspunkte für eine Diagnose bieten. Schließlich kann auch eine psychoanalytische Bewertung der Symptome vorgenommen werden, um mögliche psychologische Gründe zu ermitteln.

Ohrenrauschen: Die besten Behandlungsmöglichkeiten für das Lindern von Ohrenrauschen

Wie wir dir bereits ausführlich aufzeigen konnten, gibt es eine Vielzahl von Ursachen für das Rauschen in den Ohren. In diesem Artikel möchten wir jedoch insbesondere die besten Möglichkeiten aufzeigen, wie du deine Symptome lindern kannst. Dafür haben wir dir hier die nötigen Informationen herausgesucht.

Ohrenrauschen mithilfe von Medikamenten behandeln

Bei der konventionellen Behandlung von Ohrenrauschen werden in der Regel Medikamente zur Hand genommen. Dabei werden Glukokortikoiden (zB. Kortison), Vitamine, Magnesium und viele weitere Präparate verwendet. In der folgenden Tabelle haben wir dir beispielhaft aufgezeigt, welche beliebten Medikamente das Ohrenrauschen lindern können und wie diese wirken.

MedikamentWirkung
Tebonin® intens 120 mgFörderung der Durchblutung, um eine bessere Nährstoffversorgung des Ohrs zu unterstützen
Ginkobil® ratiopharmFörderung der Durchblutung des Innenohrs, um eine Regeneration der kleinsten Gefäße hervorzurufen
Gingium®Erhöhung des Sauerstoffgehalts des Blutes im Gehirn und Innenohr

In erster Linie sollen mit den Medikamenten die Durchblutung sowie die Sauerstoffversorgung in den Ohren verbessert werden. Dadurch kann häufig bereits eine Linderung der Symptome erfolgen.

Tinnitus-Therapien gegen das Ohrenrauschen

Eine weitere Behandlungsmethode sind Tinnitus-Therapien. Dabei gibt es viele verschiedene Arten von solchen Therapien, welche ihren Fokus jeweils an spezielle Ursachen und Ausgangssituationen anpassen.

Die in diesem Zusammenhang am effektivsten Therapien sind die Tinnitus-Retraining-Therapie sowie die Kognitive Verhaltenstherapie zur Tinnitus-Behandlung.(6) Eine tiefergehende Erläuterung zu diesen beiden Möglichkeiten, findest du in den nächsten Abschnitten.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie setzt ihren Schwerpunkt auf den Umgang mit den Ohrgeräuschen. Hierbei sollen die Patienten/Innen lernen, das Ohrenrauschen nicht mehr als unangenehm wahrzunehmen. Mittelpunkt der Therapie ist die Verarbeitung des Tinnitus im zentralen Nervensystem sowie die ausdrückliche Wahrnehmung dessen.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie fokussiert sich auf Hörtherapien und psychologische Beratung.

Zu Beginn steht bei dieser Therapieform eine umfangreiche Beratung. Diese dient dazu die Patienten/Innen über ihre Erkrankung mithilfe von fundierten Informationen aufzuklären. Anschließend werden Hörtherapien eingesetzt, bei welchen das Gehirn den Umgang mit den Geräuschwahrnehmungen trainiert. Außerdem erfolgt in diesem Rahmen eine psychotherapeutische Begleitung der Patienten/Innen.

Kognitive Verhaltenstherapie zur Tinnitus-Behandlung

Bei Menschen mit einem starken chronischen Tinnitus wird häufig auf eine Tinnitus-Behandlung mit Verhaltenstherapie zurückgegriffen. Studien belegen, dass eine solche Therapie die negativen Auswirkungen des Tinnitus auf die Lebensqaulität reduzieren kann.(7)

Ursprünglich wurde die kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Mittlerweile wurde sie jedoch auch auf andere Krankheiten übertragen. Bei dieser Behandlungsform wird gezielt die mentale Verarbeitung und Wahrnehmung der Ohrgeräusche verändert. Dies soll idealerweise darin resultieren, dass die Patienten/Innen von diesen in ihrem Alltag nicht mehr so stark beeinträchtigt werden.

Ohrenrauschen mit Naturheilkunde lindern

Zu den bisher genannten Therapieformen gibt es jedoch auch Alternativen, die häufig kostengünstiger sind und teilweise auch von einigen Krankenkassen übernommen werden. Beispielsweise werden häufig Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training eingesetzt, um den Stress zu reduzieren.

In der Behandlung von Ohrenrauschen wird häufig auch auf Akupunktur gesetzt, wobei dieses unterschiedliche Erfolge erzielen kann. (Bildquelle: Katherine Hanlon / Unsplash)

Auch die Humoraltherapie wird zur naturheilkundlichen Behandlung des Ohrenrauschens verwendet. Hierbei soll das Blut mithilfe von Ausleitungs- und Entgiftungstherapien gereinigt sowie der Körper von Schadstoffen befreit werden. Beispiele für eine solche Therapieform sind die Blutegeltherapie, Wickel sowie Schwitzkuren. Besonders wirksam und häufig genutzt wird ebenfalls die Homöopathie bei der Behandlung eines Tinnitus.

Ohrenrauschen mithilfe von Hausmitteln behandeln

Sollte das Ohrenrauschen kurzfristig auftreten, gibt es einige Hausmittel, die du zur Behandlung heranziehen kannst. Bei anhaltenden Ohrgeräuschen solltest du jedoch natürlich einen Arzt aufsuchen und dich auf diese Methoden nicht ausschließlich verlassen.

Sollte das Ohrenrauschen aufgrund einer Entzündung auftreten, helfen die Wirkstoffe aus Kurkuma und Zwiebeln, um diese zu mildern. Dafür fertigst du aus diesen Hausmitteln einen Sud an und gibst ein paar Tropfen davon in dein Ohr. Liegt die Ursache jedoch bei Durchblutungsstörungen können Ingwertees oder Wechselbäder helfen. Des Weiteren kannst du zusätzliches Vitamin B oder Lavendel einnehmen, falls Stress der Hauptauslöser sein sollte.

Der Ansatz der bimodalen Neuromodulation zur Behandlung von Ohrenrauschen

Zurzeit gibt es keine 100%ige klinisch empfohlene medikamentöse oder gerätetechnische Behandlung von Ohrenrauschen. In einer neuen Studie aus den USA wird jedoch ein neuer Ansatz gezeigt. Bei dieser wurde untersucht, dass Schall in Verbindung mit elektrischer somatosensorischer Stimulation eine umfassende Plastizität im Gehirn zur Tinnitusbehandlung bewirken kann.(8)

In der Studie wurde die bimodale Neuromodulation mit einem Gerät untersucht, welches eine elektrische Stimulation an die Zunge und einen Schall an die Ohren abgibt. Die Ergebnisse zeigen eine verringerte Symptomschwere.(8) Aufgrund dessen soll dieser Ansatz in der Zukunft näher untersucht werden, um weitere Erkenntnisse in der Behandlung eines Tinnitus zu erlangen.

Fazit

Ohrenrauschen ist immer sehr unangenehm, besonders wenn es lange anhält und zu einem chronischen Tinnitus wird. Um deine Symptome bestmöglich zu lindern, ist der erste Schritt auf jeden Fall der Gang zum HNO-Arzt. Denn erst mit einer umfangreichen Diagnose kannst du die passende Therapie für dich finden.

Informiere dich über alle Möglichkeiten, welche die Ursache deines Ohrenrauschen vermindern können. Dabei reichen diese von spezifischen Medikamenten bis hin zu kognitiven Verhaltenstherapien mit begleitender psychologischer Beratung. Außerdem wird in diesem Bereich der Medizin bereits viel weiter erforscht, weshalb in der Zukunft mit weiteren Behandlungsmöglichkeiten zu rechnen ist.

Literaturhinweise (8)

1. Deutsche Tinnitus-Liga e.V. Ohrengeräusche, Ohrensausen oder Ohrenklingeln. Was ist Tinnitus? Abgerufen am 09.06.2021
Source

2. Epidemiologische Studie der Deutschen Tinnitus-Liga (1999): 3 Millionen Tinnitus-Betroffene in Deutschland
Source

3. Mazurek B, Szczepek AJ, Hebert S. Stress and tinnitus. HNO. 2015 Apr;63(4):258-65
Source

4. praktischArzt.de. Rauschen im Ohr. Abgerufen a, 09.06.2021
Source

5. Vasaghi-Gharamaleki B, Naser Z. Predicting the Risk of Hearing Impairment Following the Cervical Spine Diseases by Measuring the Cervical Range of Movements: A Pilot Study. Basic Clin Neurosci. 2017 Sep-Oct;8(5):413-418
Source

6. Grewal R, Spielmann PM, Jones SE, Hussain SS. Clinical efficacy of tinnitus retraining therapy and cognitive behavioural therapy in the treatment of subjective tinnitus: a systematic review. J Laryngol Otol. 2014 Dec;128(12):1028-33
Source

7. Fuller T, Cima R, Langguth B, Mazurek B, Vlaeyen JW, Hoare DJ. Cognitive behavioural therapy for tinnitus. Cochrane Database Syst Rev. 2020 Jan 8;1(1)
Source

8. Conlon B, Langguth B, Hamilton C, Hughes S, Meade E, Connor CO, Schecklmann M, Hall DA, Vanneste S, Leong SL, Subramaniam T, D'Arcy S, Lim HH. Bimodal neuromodulation combining sound and tongue stimulation reduces tinnitus symptoms in a large randomized clinical study. Sci Transl Med. 2020 Oct 7;12(564)
Source

Internetbeitrag
Deutsche Tinnitus-Liga e.V. Ohrengeräusche, Ohrensausen oder Ohrenklingeln. Was ist Tinnitus? Abgerufen am 09.06.2021
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Wissenschaftliche Studie
Epidemiologische Studie der Deutschen Tinnitus-Liga (1999): 3 Millionen Tinnitus-Betroffene in Deutschland
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Wissenschaftliche Studie
Mazurek B, Szczepek AJ, Hebert S. Stress and tinnitus. HNO. 2015 Apr;63(4):258-65
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