Die Wirkung von Aronia: Wichtige Fragen beantwortet

Die Wirkung von Aronia: Wichtige Fragen beantwortet

Du hast davon gehört, dass Aronia, oder auch Apfelbeere genannt, gesund sein soll, möchtest dir aber selber eine fundierte Meinung über das "Superfood" bilden? Was steckt hinter der kleinen, blauen Beere? Hält sie wirklich was das Internet so verspricht?

In diesem Artikel werden wir dir offene Fragen zu Aronia beantworten. Wir haben uns auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht und werden dir auch Ergebnisse aus diversen Studien präsentieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Aroniabeere hat nachgewiesenermaßen einen positiven Effekt auf die allgemeine Gesundheit und das Immunsystem des Menschen. Sie hilft Cholesterinwerte zu senken und Herz- Kreislauf- Erkrankungen vorzubeugen. Auch auf das Verdauungssystem hat Aronia eine positive Wirkung(1).
  • Aronia beinhaltet eine Menge wichtiger Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Aminosäuren. Sie hat eine stark antioxidative Wirkung und wird oft als "Superfood" betitelt(5). Das kann den Anschein erwecken als wäre der Mensch unbedingt auf Aronia angewiesen und gesund leben zu können, dem ist nicht so. Besonders Seiten in Internet die versuchen Aronia in irgendeiner Form zu verkaufen, werben oft mit dem Wort "Superfood" und der heilenden Wirkung der Beere.
  • Bei einigen Krankheiten wird mit Aronia geforscht. Ob nun einzelne Wirkstoffe der Beere extrahiert werden, wie es in der Krebsforschung der Fall ist(7), oder ob die ganze Frucht verwendet wird. Auch bei der Behandlung von Diabetes Typ 1 und 2 forscht man mit Aronia(6).

Die Wirkung von Aronia: Was du wissen solltest

In den folgenden Absätzen werden wir auf Fragen eingehen, die bei unserer Recherche am öftesten aufgetaucht sind und dich interessieren können. Wir möchten dir die Möglichkeit geben, eine eigene Meinung über die Wirkung von Aronia zu bilden, die Hand und Fuß hat. Alle Studien und Artikel auf die wir uns berufen, sind am Ende verlinkt.

Was bewirkt Aronia im Körper?

Allgemein steht die positive Wirkung von Vitaminzufuhr auf den Körper außer Frage. Die Aroniabeere beinhaltet nicht nur, für den Menschen wichtige, Vitamine, sondern auch Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die zu einem gesunden Lebensstil beitragen können.

Der Konsum von Aronia hilft den Cholesterinwert zu senken und somit das Risiko zu mindern an Herz- Kreislauf- Erkrankungen zu leiden. Erhöhte Cholesterinwerte können zu Gefäßverengung und damit zum Beispiel zu Herzinfarkten führen. Cholesterin kann prinzipiell in LDL (Low Density Lipoprotein) und HDL (High Density Lipoprotein) eingeteilt werden. Die angeführte Studie zeigt auch ein erhöhtes HDL Level bei Probanden, nach der Supplementierung mit Aronia(1).

Weiters reguliert Aronia die mikrobiologische Zusammensetzung in Organen und regt die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren an. Es zeigt sich auch, dass entzündlicher Stress in Endothelen gemindert wird(3), Aronia also eine entzündungshemmende Wirkung auf Blutzellen hat.

Endothele sind Zellen an der Gefäßwand von Blutgefäßen. Sie produzieren Substanzen, die für die Regulierung des Blutdrucks zuständig sind und beeinflussen auch die Fließfähigkeit des Blutes.

Die Aroniabeere beinhaltet, Allem voran, Polyphenole die die wichtigsten natürlichen Antioxidantien darstellen. Ein Großteil der antioxidativen Aktivität stammt von sekundären Pflanzenstoffen wie Polyphenol(4). Es zeigen sich auch positive Wirkungen auf den Verdauungstrakt, durch die entzündungshemmende Eigenschaft von Aronia(2). Mehr dazu weiter unten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Aroniabeere einen positiven Einfluss auf den Verdauungstrakt und das Herz- Kreislaufsystem hat. Die sogenannte Bioverfügbarkeit von gewissen sekundären Pflanzenstoffen der Aroniabeere ist jedoch sehr gering.

Welche Inhaltsstoffe hat die Aroniabeere?

Wir werden im Folgenden zuerst auf die Makronährstoffe der Aroniabeere eingehen und dir dann die Mikronährstoffe auflisten.

Zu einem Großteil besteht Aronia aus Kohlehydraten (ca.15%) die sich überwiegend aus Fruchtzucker ergeben.

Fette sind nur zu einem sehr geringen Teil in der Beere enthalten (<1%).

Der Anteil an pflanzlichen Proteinen der Beere beträgt auf 100g gerade einmal 0,7g.

Mikronährstoffe Details
Vitamine Vitamin A, E, K, B1, B2, B6, Folsäure, Vitamin C, Niacin, Pantothensäure
Mineralstoffe Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Schwefel, Jod, Kupfer, Mangan, Zink, Eisen
Aminosäuren Asparagin, Aminobuttersäure, Glutamin, Asparaginsäure, Gutaminsäure, Serin, Threonin, Ammoniak, Prolin, Alanin, Arginin, Glycin, Lysin, Valin, Histidin, Phenylalanin, Isoleucin, Leucin, Tyrosin, Methionin, Ornithin

Wir haben uns in dieser Tabelle auf die essenziellsten Mikronährstoffe beschränkt. Für eine detailiertere Aufbereitung steht die, der Tabelle zugrundeliegenden, Diplomarbeit bereit(5).

Welche Wirkung hat Aronia auf den Darm?

Die Supplementierung mit Aronia kann auf die Darmgesundheit positive Wirkungen haben. Die angeführte Studie zeigt, dass Aronia durch die Erhöhung der TH17- Zellen und Regulatorischen T-Zellen (Treg) im Körper, das Risiko für Colitis ulcerosa mindern(2). Colitis ulcerosa ist eine chronische Darmentzündung der TH17- Zellen entgegenwirken.

Aroniabeere

Die Aroniabeere hat eine bestätigte, positive Wirkung auf den Magen- Darm- Trakt. Sie erhöht die Arbeit der Darmbarriere. (Bildquelle: unsplash / Kat von Wood)

In einem Versuch aus dem Jahr 2020 wurde mit Polyphenolen aus der Aroniabeere an einem Darmbarriere- Modell geforscht. Die Darmbarriere dient zur Aufnahme von Nährstoffen und dazu, schädliche Stoffe des Mageninhaltes einzudämmen. Es zeigte sich, dass Aronia die Arbeit der Darmbarriere erhöht(9). Dies führt zu einer umfangreicheren Filterung von Schadstoffen und auch die Nährstoffaufnahme wird so angeregt.

Kann Aronia bei Diabetes helfen?

Da Aronia den Cholesterinwert von LDL senkt(1), kann sich das bei Diabetikern positiv auswirken. Menschen mit Diabetes sollten ihre Cholesterinwerte sowieso regelmäßig testen und diese auch niedriger halten als gesunde Menschen. Hier kann die Aroniabeere durchaus erstrebenswerte Auswirkungen haben.

In einer Studie mit Ratten die an Typ 2 Diabetes litten, konnte man nachweisen, dass die Aroniabeere den Blutzuckwert auf Dauer senkt, die Glukosetoleranz erhöht und die Enzymaktivität zur Glukoseverarbeitung reguliert(6). Weiters linderte das verwendete Aroniabeerenextrakt auch die Insulinresistenz der Leber.

Auch bei Typ 1 Diabetes zeigen sich positive Effekte der Aroniabeere. Da Aronia die Zunahme des Blutzuckerspiegels hemmt, hat dies auch positive Auswirkungen auf Typ 1 Diabetes(10).

Welche Wirkung entfaltet Aronia im Zusammenhang mit Krebs?

Um die allgemeine Wirksamkeit der Aroniabeere bei Krebspatienten zu belegen, gibt es zu wenige fundierte Studien. Auch sind noch keine Studien am lebenden Menschen bekannt. Es wird jedoch durchaus mit der Aroniabeere zur Krebsbekämpfung geforscht.

Krebsforschung

Die Wirkung von Bestandteilen der Aroniabeere, spielt eine Rolle in der Krebsforschung. Erste Studien sind vielversprechend, von einer Behandlung bei Krebspatienten ist man jedoch noch weit entfernt.(Bildquelle: unsplash / ThisisEngineering RAEng)

Es wurde jedoch mit Brustkrebs- Stammzellen geforscht. Die wachstumseinschränkende Wirkung von Aroniabeeren auf Krebszellen konnte auf einen bestimmten Bestandteil der Beere reduziert werden, nämlich Brenzcatechin. Es wird angenommen, dass dieser Bestandteil in Zukunft bei der Behandlung von Brustkrebspatienten eigesetzt werden kann, was allerdings weitere Studien voraussetzt(7).

Es wurde auch mit dem Azeroldorn, einem anderen Vertreter in der Gattung der Aroniabeeren, genauer mit seinen Blättern, geforscht. Eine Studie aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass die Blätter bei der Behandlung von Lungenkrebs eingesetzt werden könnten(8). Auch hier sind weitere Studien notwendig.

Aroniabeerenextrakt konnte in ersten Laborversuchen mit Krebszelllinien das Wachstum dieser Krebszellen einschränken. Das macht Hoffnung, in Zukunft einzelne Wirkstoffe der Aroniabeere in der Krebsbehandlung einsetzen zu können(12)

In Studien, die die Wirkung von Aronia auf Blutkrebs untersuchen, zeigt sich ebenfalls, dass Aroniabeerenextrakte das Zellwachstum von Krebszellen hemmen. Dies zu pauschalisieren und zu sagen, dass Aronia bei der Behandlung von irgendeiner Krebsart hilft, wäre aber falsch(12). Alle Studien werden an einzelnen Krebszellen, beziehungsweise Krebszelllinien vorgenommen. Es liegen keine Studien mit Krebspatienten vor, dazu ist die Erforschung der Wirkung von Aronia auf Krebs in einem zu frühen Stadium.

Hilft Aronia beim Abnehmen?

Es gibt keine wissenschaftlich relevanten Studien, die eine besondere Wirkung der Aroniabeere auf den Gewichtsverlust bestätigen. Wer Gewicht verlieren will, sollte seine Diät auf biologische Tatsachen stützen. Führt man dem Körper in einem gewissen Zeitraum weniger Kalorien zu, als dieser verbraucht, muss er zwangsläufig auf Fettreserven zurückgreifen und die Person nimmt ab.

Frau misst bauch

Aronia ist eine Beere, die viele gesundheitsförderliche Vitamine enthält. Von einem Wundermittel beim Gewichtsverlust zu sprechen wäre jedoch falsch. (Bildquelle: unsplash / Bill Oxford)

Nichtsdestotrotz beinhaltet Aronia viele essenzielle Vitamine und Mineralstoffe und hat auch andere positive Effekte auf die allgemeine Gesundheit und teilweise auch auf den Fettstoffwechsel(5). Dass Aronia eine Beere ist die durchaus eine Menge an gesundheitsfördernden Eigenschaften hat möchte ihr auch keiner absprechen, sie als Wundermittel zum Gewichtsverlust zu betrachten wäre aber falsch. Einige Seiten im Internet suggerieren dies jedoch, sie wollen ja schließlich auch ihre Aronia- Produkte verkaufen.

Können bei übermäßigem Konsum Nebenwirkungen auftreten?

Die in der Aroniabeere enthaltenen Gerbstoffe können, speziell auf leeren Magen, Bauchschmerzen verursachen. Wenn du keine übermäßige Empfindlichkeit auf die Inhaltsstoffe der Beere hast oder sogar Allergien gegen diese, kannst du die Aroniabeere bedenkenlos essen. Übermäßiger Konsum kann im schlimmsten Fall zu leichten Magenbeschwerden führen(11).

Es ist also festzustellen, dass der Konsum von Aronia bedenkenlos ist, selbst wenn du dir die Beeren kiloweise in den Rachen schiebst, werden keine nennenswerten Nebenwirkungen, bis auf Bauchschmerzen, auftreten.

Fazit

Dass die Wirkung von Aronia auf den menschlichen Körper eine durchaus positive ist, kann ihr nicht abgesprochen werden. Die Aroniabeere enthält viele Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Sogar bei schweren Erkrankungen wie Krebs und Diabetes wird mit Aronia geforscht, um Medikamente zu finden. Es sind keine besonderen Nebenwirkungen bekannt, die den Konsum dieser Beere bedenklich machen können(11).

Die Aroniabeere aber als Allheilmittel zu betiteln oder sogar als das neue "Superfood", ist kritisch zu sehen. Jeder Mensch kann sehr gut auch ohne der Einnahme dieser Beere leben und ist in keinster Weise speziell auf diese Frucht angewiesen. Oft wollen Websites aber gerade das suggerieren, meistens geht das mit dem Verkauf der eigenen Aronia- Produkte einher.

Bildquelle: unsplash / Alexander Mils

Einzelnachweise

  1. Jamal Rahmani, Cain Clark, Hamed Kord Varkaneh, Theophilus Lakiang, Lenny T. Vasanthan, Vincent Onyeche, Seyed Mohammad Mousavi, Yong Zhang (2019) The effect of Aronia consumption on lipid profile, blood pressure, and biomarkers of inflammation: A systematic review and meta‐analysis of randomized controlled trials
  2. Ruisong Pei, Derek A. Martin, Jonathan C. Valdez, Jiyuan Liu, Robert L. Kerby, Federico E. Rey, Joan A. Smyth, Zhenhua Liu, Bradley W. Bolling (2018) Dietary Prevention of Colitis by Aronia Berry is Mediated Through Increased Th17 and Treg
  3. Ting Wu, Charlotte Grootaert, Judit Pitart, Nevena Kardum Vidovic, Senem Kamiloglu, Sam Possemiers, Maria Glibetic, Guy Smagghe, Katleen Raes, Tom Van de Wiele, John Van Camp (2018) Aronia (Aronia melanocarpa) Polyphenols Modulate the Microbial Community in a Simulator of the Human Intestinal Microbial Ecosystem (SHIME) and Decrease Secretion of Proinflammatory Markers in a Caco‐2/endothelial Cell Coculture Model
  4. Jung Hyun Kwak, Yoonji Kim, Soo In Ryu, Minho Lee, Hyo‐Jeong Lee, Yong Pyo Lim, Jean Kyung Paik (2020) Anti‐inflammatory effect from extracts of Red Chinese cabbage and Aronia in LPS‐stimulated RAW 264.7 cells
  5. Christine Misfeldt (2007) Gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe der Aronia melanocarpa
  6. Jingjing Mu, Guang Xin, Bo Zhang, Yuehua Wang, Chong Ning, Xianjun Meng (2020) Beneficial effects of Aronia melanocarpa berry extract on hepatic insulin resistance in type 2 diabetes mellitus rats
  7. Hack S. Choi, Ji‐Hyang Kim, Su‐Lim Kim, Hong‐Yuan Deng, Doseung Lee, Chang Sook Kim, Bong‐Sik Yun, Dong‐Sun Lee (2018) Catechol derived from aronia juice through lactic acid bacteria fermentation inhibits breast cancer stem cell formation via modulation Stat3/IL‐6 signaling pathway
  8. Islam Omairi, Firas Kobeissy, Salam Nasreddine (2020) Anti-Oxidant, Anti-Hemolytic Effects of Crataegus aronia Leaves and Its Anti- Proliferative Effect Enhance Cisplatin Cytotoxicity in A549 Human Lung Cancer Cell Line
  9. Jonathan C Valdez, Junhyo Cho, Bradley W Bolling (2020) Aronia berry inhibits disruption of Caco-2 intestinal barrier function
  10. Yong-Deok Jeon, Sa-Haeng Kang, Kwang-Hyun Moon, Jeong-Ho Lee, Dae-Geun Kim, Wook Kim, Jong-Sung Kim, Byung-Yong Ahn, Jong-Sik Jin (2018) The Effect of Aronia Berry on Type 1 Diabetes In Vivo and In Vitro
  11. Nicole Wender, Martina Feichter (2017) Aronia
  12. Was ist dran: Aronia zur Krebsprävention?
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