Hormonspiegel: Definition & Erklärungen

Im alltäglichen Sprachgebrauch hören wir sehr oft Sätze wie: „Das sind wieder die Hormone!“ oder „Die Hormone machen mich fertig!“, wenn es darum geht Stimmungsschwankungen oder sonstige kleinere Leiden zu erklären. Auffällig ist dabei, dass solche Sätze oft von Frauen stammen. Doch was sind überhaupt Hormone und was hat es mit dem Hormonspiegel auf sich? Und sind es wirklich vor allem die Frauen, die mit ihrem Hormonspiegel zu kämpfen haben?

All diese Fragen werden wir in unserem Beitrag für dich beantworten und werden dich über Hormone und vor allem über den Hormonspiegel informieren, aufklären und dir alle nötigen Informationen geben, um dir einen guten Überblick über dieses Thema zu schaffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hormone sind körpereigene chemische Botenstoffe. Sie übertragen Information und sind für viele Vorgänge im menschlichen Körper verantwortlich.
  • Vor allem für Frauen spielt der Hormonspiegel eine sehr große Rolle, da er sich in verschiedenen Lebensphasen stark verändert. Wichtige Etappen dabei sind die Pubertät, die Schwangerschaft und die Wechseljahre.
  • Ein gestörter Hormonspiegel kann Ursache von teils schwerwiegenden Erkrankungen, wie zum Beispiel Tumorerkrankungen sein oder auch durch negative Umwelteinflüsse wie eine schlechte Ernährung beeinflusst werden. Langfristige Hormonstörungen sollten stets von einem Arzt begutachtet und behandelt werden.

Glossareintrag: Der Begriff Hormonspiegel im Detail erklärt

In den folgenden Abschnitten werden wir uns im Detail mit dem Hormonspiegel beschäftigen und dich umfassend über das Thema informieren. Wir beginnen mit grundsätzlichen Definitionen und Erklärungen und werden uns im Laufe der Abschnitte immer detaillierter mit dem Oberbegriff Hormonspiegel auseinandersetzen.

Was sind Hormone?

Unter Hormonen versteht man körpereigene, chemische Botenstoffe. Hormone werden vom Körper eigenständig in Drüsenzellen bestimmter Organsysteme produziert. Die Hormone werden über den Blutkreislauf verteilt und haben spezielle Rezeptoren als Ziel, die ihre Informationen auslesen können. Dadurch werden zahlreiche Körpervorgänge reguliert, wie zum Beispiel die Atmung, der Stoffwechsel oder die Schwangerschaft.

Hormone regulieren zahlreiche Körpervorgänge.

Hormone sind jedoch sehr langsame Botenstoffe. Sie brauchen Minuten, manchmal sogar Stunden, um Informationen zu übertragen. Nerven brauchen dafür zum Beispiel nicht mal eine Sekunde.

Es gibt Peptid- und Steroidhormone. Sie unterscheiden sich darin, dass Peptidhormone vor allem aus Eiweiß bestehen und Steroidhormone aus Fetten.

Was ist ein Hormonspiegel?

Der Hormonspiegel gibt an, welche und wie viele von diesen Hormonen aktuell im Körper vorhanden sind. Der Hormonspiegel ändert sich beispielsweise während einer Schwangerschaft. Während einer Schwangerschaft findet man das Hormon Östriol vermehrt vor. Mithilfe der Messung dieses Hormons kann man über den Verlauf der Schwangerschaft urteilen.

Der Hormonspiegel einen Menschen ändert sich ständig und ist für viele Prozesse des menschlichen Körpers verantwortlich. Eine Störung des Hormonspiegels kann negative Auswirkungen auf dein Wohlbefinden und deine Gesundheit haben.

Wie kann man einen Hormonspiegel bestimmen?

Den Hormonspiegel kannst du bei jedem Hausarzt messen lassen. Es wird in der Regel ein Blut oder Speicheltest durchgeführt. Speicheltests haben den Vorteil, dass sie besser eine Übersicht über den aktuellen Hormonspiegel geben können. Bluttests geben vor allem über die Reserveeinheiten an Hormonen eine Übersicht. Da für die meisten Zwecke der aktuelle Hormonspiegel von größerem Belang ist, verwenden die meisten Hausärzte vor allem Speicheltests. Darüber hinaus sind sie für den Patienten meist auch deutlich angenehmer.

Während der Schwangerschaft kann das Messen des Hormonspiegels durchaus sinnvoll sein, da hierdurch wichtige Aussagen und Diagnosen über die Schwangerschaft getroffen werden können oder eventuell Störungen behandelt werden müssen. Da Hormone auch über die Geschlechtsreife bei Mann und Frau entscheiden kann der Hormonspiegel bei Kinderwunsch gemessen werden. Viele Paare versuchen über länger Zeiträume Kinder zu bekommen und haben keinen Erfolg. Das kann mit einer Störung des Hormonspiegels zusammenhängen. Diese kann sowohl beim Mann als auch bei der Frau auftreten.

Wenn tatsächlich eine Störung des Hormonspiegels vorgelegen hat, kann durch spezielle Hormontherapien möglicherweise Abhilfe geschaffen werden. Gleiches gilt für Frauen, die kurz davor stehen ihre biologische Geschlechtsreife zu verlieren und trotzdem noch einen Kinderwunsch pflegen. Hier kann eine Hormontherapie mit weiblichen Sexualhormonen den Verlust der Geschlechtsreife noch etwas hinauszögern.

Welche Unterschiede gibt es bei dem Hormonspiegel zwischen Mann und Frau?

Der Hormonspiegel bei Mann und Frau ist unterschiedlich. Diese Unterschiede stellen sich bereits während der Embryonalzeit heraus. Hormone sind unter anderem mitverantwortlich für die sexuelle Differenzierung während der Embryonalzeit und Pubertät. Das heißt die genetisch festgelegte unterschiedliche Produktion der Sexualhormone wie Östrogen oder Testosteron, entscheidet darüber, ob wir zu einer Frau oder einem Mann werden. (1, 3, 6)

Darüber hinaus haben die unterschiedlichen Sexualhormone auch Einfluss auf unterschiedliche Verhaltensweisen oder Körperfunktionen der Geschlechter. Das erhöhte Sexualverlangen bei Männer ist ebenfalls den Sexualhormonen zuzuschreiben. Auch weitere Eigenschaften wie Stressempfinden oder die kognitive Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen unterscheiden sich hormonbedingt zwischen Mann und Frau.(1, 5, 6)

Jedoch muss auch beachtet werden, dass die Ausschüttung verschiedener Hormone umweltbedingt sind. Das heißt, dass auch der Hormonspiegel eines Mannes in der Regel nie dem eines zweiten Mannes gleicht.

Wie kann man Störungen deines Hormonspiegels erkennen?

Störungen des Hormonspiegels treten durch eine längere Über- oder Unterproduktion verschiedener Hormone auf. Ebenfalls ist es möglich, dass die Rezeptoren, die für die Übermittlung der Information der Botenstoffe (Hormone) zuständig sind geschädigt sind. Es kann sein, dass die Rezeptoren falsche oder zu schwache Informationen empfangen und es dadurch zu Problemen des Hormonspiegels kommt. Geschädigte Rezeptoren sind dahingehend problematischer als eine Über- oder Unterproduktion von Hormonen, da sie durch die herkömmlichen ärztlichen Diagnoseverfahren nicht erkannt werden können.(1)

Symptome, die auf Störungen des Hormonspiegels hinweisen, sind oft unterschiedlich uns sehr allgemein, da diese Art von Symptomen auch durch viele weitere Einflüsse und Krankheiten ausgelöst werden können. Symptome, die jedoch mit einer Störung des Hormonspiegels zusammenhängen oder darauf hindeuten können sind:

  • Schweißausbrüche
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwächen
  • Gewichtsschwankungen
  • Haut- und Haarerkrankungen
  • Infektanfälligkeit
  • Allergien
  • Osteoporose

Störungen können durch viele verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden. Tumorerkrankungen oder Fehlfunktionen der Schilddrüse sind Beispiele für Erkrankungen. (2, 3)

Zusätzlich können Hormonstörungen durch Umwelteinflüsse ausgelöst werden. Mögliche schädliche Umwelteinflüsse sind zu wenig oder zu viel Sport, eine falsche Ernährung, zu wenig Schlaf, übermäßiger Stress oder körperschädigende externe Umwelteinflüsse, wie eine verschmutzte Luft.

Störungen des Hormonspiegels sollten nie unterschätzt werden und grundsätzlich mit einem Arzt abgeklärt werden. Oft können Ärzte diese Störungen behandeln, oder die Ursachen feststellen. (Bildquelle: Unsplash / Online Marketing)

Welche Auswirkungen kann der Hormonspiegel auf den menschlichen Körper haben?

Wie bereits erwähnt, sind die Hormone für viele Körpervorgänge, wie zum Beispiel die Atmung, den Stoffwechsel oder die Schwangerschaft verantwortlich. Demnach hat der Hormonspiegel ebenfalls eine Auswirkung auf den menschlichen Körper, da der Hormonspiegel lediglich eine Zusammenfassung der aktuell produzierten Hormone und deren Reserveeinheiten ist.

Viele Körpervorgänge hängen von dem Hormonspiegel ab. Störungen des Hormonspiegels beeinflussen diese negativ.

Wird beispielsweise aufgrund von Umwelteinflüssen vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, ist das im Hormonspiegel zu erkennen und daraus ersichtlich, dass du wahrscheinlich in letzter Zeit zu sehr unter Stress gelitten hast und etwas ändern solltest. Demnach sollten wir regelmäßig unseren Hormonspiegel testen lassen und dafür sorgen, dass wir Störungen des Hormonspiegels vermeiden.

Ebenfalls kann eine Veränderung des Hormonspiegels dafür Sorgen, dass der Körper Funktionen verliert. Dies ist zum Beispiel bei Frauen der Fall. Frauen verlieren ab einem gewissen Alter ihre Geschlechtsreife und damit die Fähigkeit sich Fortzupflanzen. Dies passiert in den Wechseljahren und ist auf eine Veränderung des Hormonspiegels zurückzuführen.

Wie verändert der Hormonspiegel sich während des Lebens?

Vor allem die Entwicklung des Hormonspiegels einer Frau solltest du dir genauer anschauen. Der Hormonspiegel eines Mannes unterliegt in der Regel nach der Pubertät nicht mehr allzu großen Schwankungen, wenn keine Erkrankungen vorliegen.

Während der Pubertät kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron, welches dafür sorgt, dass Männer geschlechtsreif werden und das auch im Idealfall bis zum Ende ihres Lebens bleiben. Darüber hinaus entwickeln sich durch die vermehrte Hormonausschüttung während der Pubertät die geschlechtsspezifischen körperlichen Merkmale des Mannes aus. Im Gegensatz dazu entwickelt sich der Hormonspiegel einer Frau sehr stark während ihres gesamten Lebens bis zum Ende der Geschlechtsreife.

Lebensphase FrauHormonelle Entwicklung
PubertätWährend der Pubertät werden vermehrt die Sexualhormone, Östrogene produziert. Das wichtigste Östrogen ist Östradiol. Östradiol verursacht die Ausprägung der weiblichen körperlichen Merkmale und den Beginn der Menstruation.
SchwangerschaftWährend der Schwangerschaft produziert der weibliche Körper neben Östrogenen vermehrt Progesteron. Progesteron sorgt dafür, dass die Schwangerschaft einer Frau positiv verläuft. Es sorgt für eine Stimmungsaufhellung, hilft Flüssigkeitsablagerungen abzutransportieren und hilft die strapazierte Haut einer Schwangeren zu schützen.
WechseljahreDie Wechseljahre bedeuten das Ende der Geschlechtsreife einer Frau. Die Eierstöcke verlieren ihre Funktion und die Menstruation tritt nicht mehr auf. Das geht einher mit einem starken Abfall von Östrogen und Progesteron. Oft leiden Frauen in dieser Phase unter verschieden Symptomen wie Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.

Vor allem für Frauen ist demnach der Hormonspiegel ein sehr gutes Diagnosemittel und gibt Auskunft über die aktuelle Gesundheit oder beispielsweise den Verlauf einer Schwangerschaft. Es gibt beispielsweise Hormone, die allein während der Schwangerschaft gebildet werden und danach nicht mehr produziert werden, wie Humanes Placenta Laktogen. Dadurch kann sehr gut diagnostiziert werden, in welchem Stadium die Schwangerschaft sich aktuell befindet und ob sie einen guten Verlauf hat. Demnach solltest du vor allem als Frau immer einen guten Überblick über deinen Hormonspiegel haben und die Bedeutung und Wichtigkeit nicht unterschätzen.(1, 2, 3, 4)

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Hormonspiegel eine Zusammenfassung des aktuellen Hormonvorkommens und der Reserveeinheiten eines Menschen ist. Dieser ist von sehr großer Bedeutung, da er für viele Vorgänge im menschlichen Körper verantwortlich ist und eine Störung des Hormonhaushalts diese negativ beeinflusst.

Darüber hinaus kann eine Störung des Hormonspiegels auf Erkrankungen oder Fehlfunktionen des Körpers hinweisen und sollte stets ärztlich behandelt werden. Vor allem im Leben einer Frau spielt der Hormonhaushalt eine große Rolle, da Frauen anhand ihres Hormonspiegels Diagnosen über ihre aktuelle gesundheitliche Situation oder den Verlauf ihrer Schwangerschaft erstellen können. Dementsprechend ist es sehr wichtig für eine gesunde Lebensweise zu sorgen und mögliche schädliche Umwelteinflüsse zu eliminieren, um für einen gesunden Hormonspiegel zu sorgen.

Literaturhinweise (6)

1. "Sex-hormone-binding globulin" Editor: D C Anderson
Source

2. "Die Wirkungen von Östrogen im kardiovaskulären System" Editor: G. Finking et al
Source

3. "Östrogen- und Progesteronrezeptoren beim Korpuskarzinom und ihre klinische Bedeutung" Editor: W. Kleine et al
Source

4. "Progesteron in menschlichem Blut und Geweben" Editor: Josef Zander & Anne-Marie von Münstermann
Source

5. "Sexualhormone VIII. Darstellung von Testosteron unter Anwendung gemischter Ester" Editor: L. Ruzicka et al
Source

6. "Testosteron und Infertilität" Editor: S. Kliesch
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Wissenschaftliche Studie
"Sex-hormone-binding globulin" Editor: D C Anderson
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Wissenschaftliche Studie
"Die Wirkungen von Östrogen im kardiovaskulären System" Editor: G. Finking et al
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Wissenschaftliche Studie
"Östrogen- und Progesteronrezeptoren beim Korpuskarzinom und ihre klinische Bedeutung" Editor: W. Kleine et al
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Wissenschaftliche Studie
"Progesteron in menschlichem Blut und Geweben" Editor: Josef Zander & Anne-Marie von Münstermann
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Wissenschaftliche Studie
"Sexualhormone VIII. Darstellung von Testosteron unter Anwendung gemischter Ester" Editor: L. Ruzicka et al
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Wissenschaftliche Studie
"Testosteron und Infertilität" Editor: S. Kliesch
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