Ohrgeräusche: Ursachen und Tipps zur Tinnitus-Behandlung

Es ist einfach nicht möglich sich zu konzentrieren, wenn man die ganze Zeit von einem Geräusch abgelenkt wird. Ob es jetzt ein Pfeifen, Piepen oder Summen, auf einem oder beiden Ohren ist, ist dabei wohl egal.

Viele Menschen sind geplagt von solcherlei Geräuschen, die aber außer ihnen selbst niemand hört. Dem Tinnitus. Welche Ursachen dieser haben, und wie er behandelt werden kann, damit du vielleicht endlich wieder Ruhe hast, erfährst du im folgenden Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Tinnitus kann verschiedene Ursachen haben. Auch die Ausprägungsformen sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Ein universelles Gegenmittel gibt es nicht.(1)
  • Einige Betroffene gewöhnen sich an die Ohrgeräusche. Andere wiederum leiden sehr stark darunter. (2) In besonders schlimmen Fällen kann es zu Kopfverletzungen, Depressionen oder sogar totalem Hörverlust kommen.(8)
  • Als chronisch gilt der Tinnitus, wenn er bereits mehrere Monate andauert. Es empfiehlt sich in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen, um drastische Folgen zu vermeiden.

Definition: Was ist ein Tinnitus?

Das Wort stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Wörtern tinnire („klingeln“) und auris („Ohr“). Die Betroffenen nehmen Geräusche wahr, die aber nicht auf äußere Schallquellen zurückgeführt werden können. Objektiv existieren die Geräusche also gar nicht. (4) Bei dem Geräusch handelt es sich zumeist um ein Summen, Klingeln oder Sausen. Es kann auf einem oder beiden Ohren sein, durchgehend oder nur teilweise vorhanden sein.

Auslöser sind in vielen Fällen Ohrerkrankungen, Verspannungen oder Stress. Für die Entstehung sind komplexe Verbindungen zwischen Gehirn und Ohr verantwortlich. (5)

Hintergründe: Mögliche Ursachen für Ohrgeräusche

Um ein Problem lösen zu können ist es natürlich hilfreich, in einem ersten Schritt die Ursache zu ergründen. Ein Tinnitus kann viele verschiedene Ursachen haben. Nachstehend haben wir dir ein paar davon aufgeführt:

Ohrgeräusche aufgrund von Stress

Stress kann bekanntermaßen viele unangenehme Begleiterscheinungen hervorrufen. Eine davon sind Ohrgeräusche. Sie können nicht nur durch physische, sondern eben auch durch psychische Anspannung entstehen(6)(7).

Nur der von Tinnitus Betroffene selbst hört die störenden Geräusche. Für andere Menschen sind sie nicht wahrnehmbar. (Bildquelle: Chairul Fajar / unsplash)

Ohrgeräusche wegen Muskelverspannungen

Eine weitere Ursache für einen Tinnitus können Verspannungen im Hals- und Nackenbereich sein. Solche Verspannungen können durch falsche Haltung oder Fehlbelastung entstehen. Verstärkt werden kann das Geräusch zusätzlich durch eine vorgebeugte Haltung- wer viel vor dem PC sitzt muss also besonders aufpassen.

Tinnitus als Mangelerscheinung

Ohrgeräusche könnten auch darauf hindeuten, dass dein Körper nicht ausreichend mit Vitaminen versorgt ist. Sie sind für den Körper und das Immunsystem essenziell. In diesem Fall geht es oft um das Vitamin B12. Der Körper kann es nicht selbst produzieren, benötigt es aber für ein funktionierendes Nervensystem. Ein Mangel sorgt dafür, dass die Nerven anfälliger für Schäden werden, die dann einen Tinnitus auslösen können(10).

Ohrgeräusche als Folge von Corona

Forschungen haben ergeben, dass das Corona-Virus auch unser Hörvermögen beeinträchtigen kann. Wie eine Studie(3) belegt, beklagten sich viele an SARS-CoV-2 Erkrankte nach der Genesung über anhaltende Hörprobleme oder einen Tinnitus.

Während die genauen Zusammenhänge hier noch weiter untersucht werden müssen, war von anderen Virus-Infektionen bereits bekannt, dass sie negative Auswirkungen auf das Hören haben können. Hierzu zählen unter anderem Masern, Mumps oder auch Entzündungen der Hirnhaut.

Bluthochdruck und Ohrgeräusche

Ein Tinnitus könnte aber auch Indikator für einen zu hohen Blutdruck sein. Ein Besuch beim Arzt empfiehlt sich also, gerade wenn das Geräusch nicht nachlässt, auf jeden Fall. Wenn die Geräusche mit dem erhöhten Blutdruck in Verbindung stehen, werden sie oft noch von weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Nasenbluten begleitet.

Einen Tinnitus behandeln: So können die störenden Ohrgeräusche verstummen

Es zeigt sich also: du solltest die Geräusche nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen. Es könnte sich nämlich um ein Warnsignal deines Körpers handeln, mit dem er sich darauf aufmerksam machen möchte, dass etwas nicht stimmt.

Du solltest die Geräusche nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen.

Es empfiehlt sich also, einen Experten zu Rate zu ziehen. An wen du dich im Falle eines Tinnitus wenden kannst und wie dieser denn möglicherweise behandelt werden könnte, erklären wir dir im Folgenden.

Ohrstöpsel helfen beim Tinnitus nicht. (Bildquelle: Mark Paton/ Unsplash)

Zu welchem Arzt bei Ohrgeräuschen?

Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Als Spezialist für solche Probleme wird er dir sicherlich helfen und die Ursache für deine Beschwerden finden können. Je nachdem kann es dann zu einer Überweisung an weitere Ärzte oder Physiotherapeuten kommen.

Der Arzt ist zudem auch derjenige, der dir bei Bedarf passende Medikamente verschreiben wird. Hier gibt es viele verschiedene. Ein paar Arten haben wir nachstehend für dich aufgelistet.

Passende Mittel gegen Tinnitus

Mittel gegen Tinnitus gibt es natürlich viele. Und das auch in verschiedenen Ausführungen. Sowohl in der Schulmedizin als auch der Homöopathie gibt es Einiges. Wer allerdings ganz auf den Gang zur Apotheke verzichten möchte, probiert es am besten mal mit Hausmitteln.

Schulmedizin

In einem ersten Schritt kannst du es, ist das Geräusch mit Schmerzen verbunden, natürlich mit einem normalen Schmerzmittel probieren (z.B. Ibuprofen, Paracetamol oder Aspirin(9)). Therapiert wird der Tinnitus dann aber bei anhaltenden Symptomen häufig mit Infusionen. Hier werden dem Körper Medikamente zugefügt, die die Durchblutung fördern sollen. Das können z.B. Polyhydroxyethylstärke, Pentoxyfillin oder Glukokortikoide sein.

Homöopathie

Wenn du eher auf natürliche Wirkstoffe setzen willst, können auch eine Vielzahl homöopathischer Mittel Abhilfe schaffen. Zu nennen wären hier unter anderem Arnika Kügelchen. Auch Mittel mit dem Wirkstoff des Ginkgo Baumes werden häufig empfohlen.

Hausmittel

Hausmittel können vor allem bei einem Tinnitus mit bakterieller Ursache helfen. Besonders in einem noch frühen Stadium könntest du bei Störgeräuschen im Ohr folgende Mittel ausprobieren:

HausmittelInfos
ZwiebelAufgrund der antibakteriellen Wirkung eignet sich die Zwiebel gut zur Behandlung von Infektionen. Die Zwiebel zerkleinern, mit warmem Wasser aufgießen und abkühlen lassen. Von dem Sud dann anschließend einige Tropfen ins Ohr träufeln.
KurkumaDie Wurzel wirkt entzündungshemmend. Bei einem Tinnitus könnte sie deshalb Abhilfe schaffen. Den empfohlenen Tagesbedarf solltest du aber nicht überschreiten.
IngwerAuch Ingwer könnte dir weiterhelfen. Als Tee 3 Mal täglich, um die Durchblutung deiner Ohren zu stärken, oder eine Ingwerscheibe pur zerkauen. Das kann die Symptome oft auch schon lindern.

Fazit

Ein Tinnitus kann in verschiedenen Stärken und Ausprägungen auftreten. Er kann außerdem verschiedenen Ursachen haben. Eins ist er aber auf jeden Fall: eine Plage für die jeweiligen Betroffenen.

Wirst du also von solch störenden Ohrgeräuschen anhaltend und über einen längeren Zeitraum geplagt, solltest du einen Arzt aufsuchen. Dieser kann dich beraten und dabei unterstützen, das störende Geräusch vielleicht endlich wieder los zu werden.

Literaturhinweise (10)

1. Brendan Conlon, Berthold Langguth, Caroline Hamilton, Stephen Hughes, Emma Meade et.al.; Bimodal neuromodulation combining sound and tongue stimulation reduces tinnitus symptoms in a large randomized clinical study (2020)
Source

2. Alessandra Lugo, PhD; Natalia Trpchevska, MD; Xiaoqiu Liu, PhD; et al;Sex-Specific Association of Tinnitus With Suicide Attempts (2019)
Source

3. Ibrahim Almufarrij & Kevin J. Munro (2021) One year on: an updated systematic review of SARS-CoV-2, COVID-19 and audio-vestibular symptoms, International Journal of Audiology, DOI: 10.1080/14992027.2021.1896793
Source

4. Schaaf, H., Eichenberg, C., Hesse, G. (2010): Tinnitus und das Leiden am Tinnitus. In: Psychotherapeut, Ausgabe 3, S. 1
Source

5. Andersson G, Bakhsh R, Johansson L, Kaldo V, Carlbring P. Stroop facilitation in tinnitus patients: an experiment conducted via the world wide web. Cyberpsychol Behav. 2005 Feb;8(1):32-8. doi: 10.1089/cpb.2005.8.32. PMID: 15738691.
Source

6. Folmer RL. Long-term reductions in tinnitus severity. BMC Ear Nose Throat Disord. 2002 Sep 16;2(1):3. doi: 10.1186/1472-6815-2-3. PMID: 12234379; PMCID: PMC128822.
Source

7. Schaaf H, Eichenberg C, Hesse G (2010) Tinnitus und das Leiden am Tinnitus. Psychotherapeut 55
Source

8. Baguley D, McFerran D, Hall D. Tinnitus. Lancet. 2013 Nov 9;382(9904):1600-7. doi: 10.1016/S0140-6736(13)60142-7. Epub 2013 Jul 2. PMID: 23827090.
Source

9. Penner MJ. Aspirin abolishes tinnitus caused by spontaneous otoacoustic emissions. A case study. Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 1989 Jul;115(7):871-5. doi: 10.1001/archotol.1989.01860310109034. PMID: 2736098.
Source

10. Jastreboff PJ. Phantom auditory perception (tinnitus): mechanisms of generation and perception. Neurosci Res. 1990 Aug;8(4):221-54. doi: 10.1016/0168-0102(90)90031-9. PMID: 2175858.
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Wissenschaftliche Studie
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Wissenschaftliche Literatur
Schaaf H, Eichenberg C, Hesse G (2010) Tinnitus und das Leiden am Tinnitus. Psychotherapeut 55
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Wissenschaftliche Studie
Baguley D, McFerran D, Hall D. Tinnitus. Lancet. 2013 Nov 9;382(9904):1600-7. doi: 10.1016/S0140-6736(13)60142-7. Epub 2013 Jul 2. PMID: 23827090.
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Wissenschaftliche Studie
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Wissenschaftliche Studie
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